Hochschule Mannheim gründet Verbund für Innovation in der Verfahrens- und Energietechnik Rhein-Pfalz (VIVET)

Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung wird ausführlich auf die Bedeutung der anwendungsorientierten Forschung für den Wirtschaftsstandort Deutschland und zur Lösung der Herausforderungen durch Zeitenwende und Klimawandel hingewiesen. Hier werden besonders die großen Erfolge und das Potenzial der Hochschulen für Angewandte Wissenschaft (HAW) hervorgehoben. Ein angekündigtes Element ist die Deutsche Agentur für Transfer und Innovation (DATI), welche parallel zur bisher und seit langem bestehenden DFG neu organisiert werden soll. Auch wenn der Gesamtkostenrahmen noch nicht feststeht, so spricht man hier über erhebliche jährliche Budgets. Mit diesen Budgets sollen Entwicklungs Projekte unterstützt werden, mit dem klaren Fokus auf der anwendungsorientierten Forschung. Diese industrienahe Forschung wird von HAW,  ggf. begleitet von kleineren und mittleren Universitäten, hier kmUnis genannt, koordiniert.

Im Rahmen einer Zusammenkunft wurde der Verbund für Innovation in der Verfahrens- und Energietechnik Rheinpfalz (VIVET) durch Vertreter der Technischen Universität Kaiserslautern und 4 Hochschulen ins Leben gerufen. Anwesend waren Vertreter der Hochschulen Kaiserslautern (dazugehörig Standort Pirmasens), Umwelt-Campus Birkenfeld (Standort der Hochschule Trier), Bingen, Mannheim und der Technischen Universität Kaiserslautern.

Schwerpunkt der Initiative liegt auf dem Gebiet Verfahrenstechnik inklusive Bioverfahrenstechnik, Technischer Chemie und Energieverfahrenstechnik. In der Diskussion wurde erarbeitet, dass die Verfahrenstechnik ein wesentliches Element der bundesdeutschen chemischen und pharmazeutischen Produktion darstellt. In der Vergangenheit ergaben sich in diesen Industrien Abwanderungstendenzen aufgrund von realen oder vermeintlichen Kostenvorteilen der Produktion im Ausland. Ein erklärtes Ziel der bundesdeutschen Forschungspolitik, unterstützt durch Elemente wie DATI ist es, einen Teil dieser Produktionsstandorte wieder nach Deutschland zurückzuholen, um eine erhöhte Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Gerade in jüngster Zeit ergeben sich Versorgungsengpässe im pharmazeutischen Bereich, aber auch im elektronischen Bereich, neuerdings auch bei Materialversorgung bis hin zur Baustoffindustrie. Um die Produktion in das Hochlohnland Deutschland rentabel und nachhaltig zu etablieren, sind verstärkte Anstrengungen der weitergehenden qualitätsgesteuerten Automatisierung der Produktion notwendig. Hinzu kommen die enormen Herausforderungen des Rohstoff- und Energiewandels, bei deren Lösung der Verfahrenstechnik eine zentrale Rolle zukommt.

All dies fällt zusammen mit einer hochdynamischen Entwicklung im Bereich der Methoden im Bereich der Data Science, die alle Ebenen umfasst, von der Datenakquise über deren Interpretation bis hin zur Künstlichen Intelligenz (KI) und Entscheidungsunterstützung. Diese Entwicklungen werden in den nächsten Jahren zu Umwälzungen in der Verfahrenstechnik führen, die große Chancen bieten. Durch die neuen Technologien steht in der Verfahrenstechnik auch eine steuerungstechnische Revolution an, die sich in starkem Maße den neuen Methoden zur Dateninterpretation über künstliche Intelligenz (KI) und auch der Steuerungsmöglichkeiten von Prozessen über Algorithmen der KI bedienen wird.

Diesen Herausforderungen im Bereich der Verfahrenstechnik stellt sich VIVET mit einem proaktiven, kooperativen Ansatz, der die Stärken der Partner im Bereich der datengetriebenen anwendungsorientierten Wissenschaft zusammenführt, nutzt und gezielt ausbaut. Die Verfahrenstechnik wird dabei als Dachbegriff für chemische, bioverfahrens­technische und energieverfahrenstechnische Prozesse angesehen.

Die beteiligten Partner können hier unterschiedlich beitragen. Expertise liegt insbesondere in folgenden Feldern vor: Bereich Prozesssteuerung, -überwachung, Entwicklung der entsprechenden Sensorik und der zugehörigen Auswertung, physikalische Prozessmodellierung und Maschinelles Lernen, Prozessdesign und -bewertung.

Die Zusammenarbeit soll auf ausgewiesenen Expertisen der beteiligten Hochschul-Partner fußen. Dabei finden sich anlassbezogen entsprechende Projekt-Interessenten aus dem Verbund zusammen. Der Schwerpunkt und die Federführung der Projekte liegt bei HAWs, wobei bei den Beteiligten HAWs eindeutig die Meinung artikuliert wurde, dass die Universität Kaiserslautern mit ihrer Expertise im Bereich der Verfahrenstechnik und ihrem Organisations-Knowhow ein hoch-willkommener Teil der Initiative ist.

Der Verbund ist regional fokussiert, wobei Synergien nicht nur zwischen den Hochschulen in der Region, sondern auch mit den Unternehmen und anderen Beteiligten aus der Region genutzt werden sollen. Die HAWs, die sich im Rahmen von VIVET treffen, bringen unterschiedliche Kompetenzen ein, die von jungen motivierten Professoren bis hin zu großen Forschungsinstitutionen - wie CeMOS an der Hochschule Mannheim - reichen, sodass wir im Zusammenfügen unserer Kompetenzen, ergänzt durch die TU Kaiserslautern, eine gemeinsame erhebliche Schlagkraft im Bereich der angewandten Forschung im Sinne von DATI aufweisen können. Wir sehen darin keine Konkurrenz zur erkenntnisorientierten Forschung, wie sie von der DFG gefördert wird.

VIVET wird geleitet von den Professoren Matthias Rädle und Thorsten Röder der Hochschule Mannheim und Tobias Klein der Hochschule Kaiserslautern.


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