Das Forschungs- und Transferzentrum CeMOS präsentiert gemeinsam mit der Hochschule der Wirtschaft auf der internationalen Energiekonferenz in Oxford eine bahnbrechende Solarthermie-Technologie mit globalem Potenzial
Vom 23. bis 25. Juli 2025 trafen sich Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Industrie und Politik virtuell, organisiert durch den renommierten 2nd Annual International Congress on Renewable Energy in Oxford, Vereinigtes Königreich, um über die Zukunft der nachhaltigen Energieversorgung zu diskutieren. Mitten in diesem internationalen Kreis: Ein Team aus Mannheim, das eine Technologie präsentierte, die geeignet ist, den Energiemarkt an entscheidenden Stellen zu verändern.
Die Präsentation von CeMOS der Technischen Hochschule Mannheim, vertreten durch Natascha Heß-Mohr und Prof. Dr. Matthias Rädle, gemeinsam mit Prof. Dr. Hans-Rüdiger Kaufmann von der Hochschule der Wirtschaft für Management Mannheim, stellte eine eigenentwickelte Lösung in den Fokus, die das Zeug dazu hat, Solarthermie neu zu definieren: die lineare Fresnellinsentechnologie.
Eine Renaissance der Solarthermie – mit überzeugenden Vorteilen
In Zeiten, in denen Photovoltaik fast schon alternativlos erscheint, traut sich dieses Team etwas, was viele für überholt hielten: den erneuten Blick auf solarthermische Lösungen. Doch was hier präsentiert wurde, ist kein Rückschritt, sondern ein technologischer Quantensprung. Die linear ausgelegte Fresnellinsentechnologie kombiniert mehrere entscheidende Stärken:
- Sie ist kostengünstig in der Herstellung – im Vergleich zu Parabolrinnen- oder Turmkraftwerken.
- Sie ist einfach skalierbar, leicht zu warten und auch unter einfachen Bedingungen lokal produzierbar.
- Und sie bietet hohe Effizienz bei der Wärmeerzeugung: Temperaturen bis zu 500 °C sind möglich – bei deutlich geringerem technischem Aufwand.
Im Gegensatz zur photovoltaischen Stromerzeugung, bei der Licht in Elektrizität umgewandelt wird, zielt das Fresnellinsensystem direkt auf die Erzeugung von nutzbarer Wärme ab. Diese Wärme ist vielseitig einsetzbar – etwa zur Dampferzeugung, zum Betrieb von Kältemaschinen, zur hygienischen Verarbeitung von organischen Reststoffen oder zur Meerwasserentsalzung. Kurz gesagt: Die Technologie produziert dort Energie, wo Strom nicht die effizienteste Lösung ist.
Ein technologischer und gesellschaftlicher Brückenschlag
Die Mannheimer Präsentation verband technologische Innovation mit einem klaren sozial-ökonomischen Anspruch: Prof. Dr. Hans-Rüdiger Kaufmann beleuchtete in seinem Vortragsteil die Marktpotenziale, Transferstrategien und nachhaltigen Business-Modelle, insbesondere mit Blick auf Länder des globalen Südens.
Denn genau dort – wo Stromnetze oft lückenhaft, aber die Sonneneinstrahlung konstant ist – könnte die Technologie zur tragenden Säule einer klimaneutralen, dezentralen Energieversorgung werden. Anwendungen reichen von:
- solarbetriebenen Kühlsystemen für Lebensmittel oder Medikamente,
- über Terra-Preta-Produktion zur landwirtschaftlichen Verwertung organischer Abfälle,
- bis hin zur Trinkwassergewinnung durch solarthermische Meerwasserentsalzung.
Diese Lösungen setzen gezielt dort an, wo hoher Energiebedarf, geringe Infrastruktur und große Hitze zusammentreffen – und sie tun dies mit Systemen, die vor Ort produziert, montiert und gewartet werden können. Auch Studentenprojekte aus dem CeMOS-Umfeld – wie ein einfacher Fresnellinsen-Prototyp mit Holzkonstruktion, der über 2.000 °C erreichte – zeigen eindrucksvoll, wie niedrig die Einstiegsschwelle für die Technologie ist.
Wirtschaftlich tragfähig – ökologisch sinnvoll – international relevant
Die vorgestellte Technologie bietet durch ihre Einfachheit und Modularität nicht nur wirtschaftliche Vorteile im globalen Wettbewerb, sondern erfüllt auch wesentliche Ziele nachhaltiger Entwicklung (SDGs). Die Möglichkeiten für internationalen Wissenstransfer, lokale Wertschöpfung und den Aufbau von Partnerschaften mit Hochschulen, Start-ups und Kommunen sind integraler Bestandteil des Konzepts.
Prof. Dr. Kaufmann machte in seinem Vortrag deutlich, dass verschiedene Markteintrittsstrategien – von Lizenzmodellen über Auftragsfertigung bis hin zur lokalen Montage – dazu beitragen können, die Technologie schnell, effektiv und sozialverträglich in Zielmärkte zu bringen. Dabei steht nicht nur der wirtschaftliche Erfolg im Fokus, sondern auch ein Beitrag zur Klimagerechtigkeit, Gesundheit und Bildung in Entwicklungsregionen.
Internationale Anerkennung und Zukunftsperspektive
Die Resonanz auf den Mannheimer Beitrag war beachtlich. Vor mehr als 150 internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde intensiv über Anwendungsmöglichkeiten, Realisierungsstrategien und den Wettbewerb mit bestehenden Technologien diskutiert. Die vorgestellte Fresnellinsentechnologie erwies sich dabei als spannende Alternative zu PV-Standardlösungen – gerade in Märkten, die mehr als nur Elektrizität brauchen.
Die Kombination aus anwendungsnaher Forschung, praxisorientierter Lehre, interdisziplinärer Zusammenarbeit und internationaler Perspektive zeigt:
Die Hochschule Mannheim – und CeMOS im Speziellen – leistet mehr als Grundlagenarbeit. Sie liefert Lösungen.
Wer sich für Partnerschaften, Kooperationen oder technologische Vertiefung interessiert, ist herzlich eingeladen, mit uns in Kontakt zu treten. Die Zukunft der Solarenergie muss nicht nur elektrisch sein. Sie kann auch heiß sein. Und sie beginnt jetzt.
